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Aktualisiert am 17.09.12, um 13:30 von Moritz Kaufmann

 

Beleidigungen und Prügel: Marc Roudin ist der letzte Basler Bad Boy

Der Grafiker Marc Roudin ist der einzige Showkämpfer aus der Region Basel: Er kämpft in der Liga Swiss Championship Wrestling. Im Privatleben will der 30-Jährige mit den wüsten Kämpfen im Ring aber nichts zu tun haben.

 

Und wieder einmal bestätigt sich das Klischee: Harte Männer im Ring sind im wirklichen Leben sanfte, höfliche und zuvorkommende Menschen. Marc Roudin betreibt seit zehn Jahren Wrestling, das vor allem in den USA, Mexiko und Japan sehr beliebt ist. Wrestling ist eine Showkampf-Form, die man bei uns hauptsächlich aus dem amerikanischen Fernsehen kennt. Gigantische Muskelpakete werfen sich erst allerlei Beleidigungen an Kopf, bevor sie aufeinander losstürmen und sich mit allen möglichen Gegenständen verprügeln.

 

Marc Roudin ist ein Künstlername. Der 30-Jährige will Privates und Wrestling trennen. Seine Freundin habe nicht viel mit Wrestling am Hut. Roudin arbeitet als Grafiker in Basel und wohnt in Allschwil. An sein aussergewöhnliches Hobby erinnert – wenn überhaupt – nur sein extravagant rasierter Bart. Vor zehn Jahren hat er angefangen zu kämpfen. Roudin ist der einzige Basler Wrestler in der Schweizer Szene. «Am Anfang bin ich direkt nach der Schule nach Zürich ins Ring-Training gefahren und um ein Uhr heimgekommen – bis zu vier Mal pro Woche.» Einen Wrestling-Ring gibt es in Basel nicht, der nächste steht in Delémont.

 

Alter Partner ist jetzt Profi

Roudin kämpft in der Liga Swiss Championship Wrestling. Die veranstaltet Anlässe in der ganzen Schweiz. Zuletzt fand die «Capital Invasion» in Bern statt. Um den Ring herum standen zwei bis drei Stuhlreihen mit höchstens 100 Zuschauern. Wrestling ist in der Schweiz eine Randsportart. Roudin erschlich sich in Bern mithilfe eines korrupten Schiedsrichters einen Titelkampf. Er liess den hintertriebenen Basler raushängen, beleidigte seine Gegner Mr. Exotic Erotic, Cash Crash und Ananaskopf. Darum geht es eben auch im Wrestling: um die wilden Charaktere, um Gut gegen Böse, ums Geschichtenerzählen. «Wrestling ist ein Entertainment-Sport», so Roudin.

 

Er selber hat in seiner ganzen Karriere fast immer nur böse Charaktere gespielt. Früher war er mit dem Trio «Swiss Money Holding» – drei geldgierige Schweizer Banker – in Europa und Nordafrika als Halbprofi unterwegs. Einer seiner damaligen Partner, der Luzerner Claudio Castagnoli alias Antonio Cesaro ist mittlerweile Profi in der amerikanischen WWE-Liga, der grössten Wrestling-Liga der Welt. Das habe Roudin allerdings nie interessiert. Dass er immer nur den Bösen spielt, macht ihm dafür nichts aus. Im Gegenteil: «Ich kann dadurch eine andere Seite ausleben.» Wenn ihn das Publikum richtig ausbuhe, habe er seinen Job gut gemacht. «Ausserdem», bemerkt er augenzwinkernd, «ist es weniger anstrengend, den Bösen zu spielen. Wenn ich im Kampf mal eine Pause brauche, gehe ich einfach aus dem Ring und beleidige das Publikum.»

 

Keine gröberen Verletzungen

Denn eines sei Wrestling: unglaublich anstrengend. «Wenn ein untrainierter in den Ring käme, dann ist der nach zwei Minuten völlig fertig», stellt Roudin klar. Der Kampf mag Show sein, doch die Schmerzen sind echt. Man muss lernen richtig zu fallen, die Gegner hochzuheben und spektakulär durch den Ring zu springen. «Wenn man auf den Rücken knallt und nicht zum richtigen Zeitpunkt ausatmet, kriegt man für Minuten keine Luft», sagt er. Von gröberen Verletzungen blieb er bisher verschont.

 

Nur der Sieg ist inszeniert

Nun also zur Gretchenfrage: Wie viel ist im Wrestling eigentlich abgesprochen? Roudin lacht. «Diese Frage muss ich allen beantworten.» Und die Antwort erstaunt: «Es wird bestimmt, wer gewinnt. Sonst ist nichts abgemacht.» Und was ist mit den Sprüngen und den Schlägen, die wie einstudierte Choreografien aussehen? «Man kennt die Griffe des Gegners und weiss, was kommt.»

 

Wrestling hat in der Schweiz nicht den besten Ruf. Roudin trifft immer wieder auf Vorbehalte. «Die Leute kennen die Bilder aus Amerika. Das kommt in Europa nicht gut an.» Eine Zeit lang spielte er mit dem Gedanken, ganz aufzuhören. Doch: «Das Adrenalin, die Show. Es ist wie eine Sucht.» Jetzt mit 30 Jahren will er es noch mal wissen. In Frankreich hat er sich um einen Kampf beworben.

 

Wie lange will er denn noch wrestlen? «Solange der Körper mitmacht.» Gibt es etwas, was er zum Schluss noch sagen will? «Probiert es nicht zu Hause aus. Es ist wirklich gefährlich.»